Nietzsche ist, bei aller selbst attestieren Unzeitgemäßheit, auch „ein Kind seiner Zeit“. Seine Philosophie entsteht im Jahrhundert des rasanten Aufstiegs der Wissenschaft als Instrument der praktischen und theoretischen Gestaltung der Welt. Hieran hat Nietzsche lebhaften Anteil genommen. Auch wenn er seinen Plan, selbst ein naturwissenschaftliches Studium aufzunehmen, nicht umgesetzt hat, verfolgt Nietzsche die Entwicklung der neuen Wissenschaften sehr interessiert. Seine Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Debatten findet in vielerlei Hinsicht produktiven Niederschlag in seinem Werk: Die Spannbreite reicht von einzelnen Ideen, die ohne die physikalischen und biologischen Grundlagen seiner Zeit nur schwer zugänglich werden bis hin zu seinem Konzept der „Experimentalphilosophie“, in dem die neue Auffassung von Wissenschaft tiefe Spuren hinterlassen hat. Auch die Entwicklungen in der Geschichts- und Sprachwissenschaft oder der Logik haben Nietzsches eigenes Denken nachhaltig beeinflusst.
© Lisa Heller TU Berlin 2009